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Eine deutsch-vietnamesische Liebesbeziehung

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Dies ist ein Gastbeitrag von Ngân Chu

Fernbeziehung. Erst war es nur Liebe, später haben wir geheiratet.

Meine Liebesgeschichte ist außergewöhnlich. Ich war nur eine Studentin in Vietnam und er ist ein Informatiker in Deutschland. Wir hatten eine Fernbeziehung für 3 Jahre. Dann endlich heirateten wir und wohnen seit 2 Jahren in Deutschland zusammen.

Damals wusste ich nicht viel über Deutschland. Aber meine Tante wohnte seit vielen Jahren dort. Manchmal erzählten sie über dieses Land. Ich erinnerte mich an die leckere Schokoladentafeln aus Deutschland, die sie mir immer schenkte.

Ich studierte Englisch an der Universität, deshalb wollte ich ausländische Freude haben, um Englisch zu üben. Ich meldete mich an einer Penpal-Seite (Brieffreundschafts-Seite) an und traf einen deutschen Mann, sein Name war Adrian. Wir unterhielten uns sehr viel und tauschten Kontaktdaten aus. Er hatte ein großes Interesse an Asien, hauptsächlich nur an Korea, Japan und China. Er wusste nicht viel über Vietnam. Nachdem wir uns ungefähr 10 Monate gekannt hatten, entschloss Adrian sich, nach Vietnam zu reisen und mich zu besuchen. Es war im Oktober, mein Lieblingsmonat, da ich im Oktober geboren wurde.

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Ich erinnerte mich noch an den ersten Tag in Hanoi. Meinem Gefühl nach war er sehr groß. Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der 1m86 groß ist. Er lächelte und sagte, das es in Deutschland ganz normal ist. Wir sind verliebt. Er sagte auf Vietnamesisch: Anh yeu em. Das waren die schönsten Worte die ich je hörte.

Als ich als eine Englischlehrerin in einer Grundschule arbeitete, war ich sehr beschäftigt. Ich versuchte, Zeit mit ihm zu verbringen. Wir besuchten viele Orte in Hanoi zusammen. Adrian sah sich immer neugierig um. Vietnam ist im Vergleich so anders als Deutschland und hat ihn total angezogen. Ich wollte wirklich, dass er meine Familie besuchen kann. Ich sagte meinem Vater, dass ich einen deutschen Mann liebte. Ich wollte ihn mit nach Hause nehmen und der Familie vorstellen. Aber mein Vater war besorgt und sagte mir, ich sollte für eine Weile warten. Vielleicht bis zum nächsten Jahr, wenn ich mit der Beziehung sicher bin.

Die Zeit verging wirklich schnell und Adrian musste nach Deutschland zurückfliegen. Er versprach, dass er mich im nächsten Sommer wieder besuchen werde. Es ist schwierig eine Fernbeziehung zu halten. Wir beiden arbeiteten und lebten in verschiedenen Zeitzonen. Wir hatten tatsächlich viele Hindernisse.
Aber unsere Liebe war stark und wir sind motiviert. Wir schrieben und sprachen jeden Tag miteinander. Wir machten weitere Pläne für unsere Zukunft.

Ich suchte nach Universitäten in Deutschland und ich dachte, dass ich in Deutschland studieren und ihn bald besuchen kann. Als meine Tante in einem vietnamesischen Imbiss in Bonn arbeitete, besuchten seine Eltern sie. Meine Tante sagte meinen Eltern, dass seine Eltern sehr freundlich und gute Menschen sind.

 

Zum zweiten Mal in Vietnam, traf Adrian meine Familie. Meine Eltern mochten ihn sehr. Wir besuchten auch noch meine Cousinen und beste Freunde. Adrian und ich reisten diesmal auch in andere Ländern in Südostasien und zu vielen Orten in Vietnam. Leider vergingen die sechs Wochen so schnell und Adrian musste wieder nach Deutschland zurückgehen.

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Dieses Mal war es so viel länger. Ich beschloss, meinen Job zu kündigen und Deutsch zu lernen. Ich arbeitete noch Teilzeit als englische Privatlehrerin, um Geld zu verdienen. Schließlich bestand ich alle Prüfungen und erhielt mein Studentenvisum für Deutschland. Ich konnte nicht glauben, dass bereits 1 Jahr vorbei war. Adrian entschloss sich, einen Flug nach Vietnam zu buchen und mich abzuholen. Wir verbrachten 3 wunderbare Wochen in Vietnam verabschiedet uns von meiner Familie.

Als ich in Deutschland ankam, blieb ich ca. 4 Monate in Köln bei meiner Tante. Ich ging zum Deutschunterricht in einem Sprachzentrum. Adrian brachte mich in die Klasse und holte mich am ersten Tag ab. Später wechselte ich für 1 Semester zur Universität Bonn um weiter Deutsch zu lernen. Adrian arrangierte immer Zeit um mich am Wochenende zu besuchen. Manchmal konnte er kein günstiges Bahnticket buchen und musste bis zu 10 Stunden (wegen Staus) mit dem Bus fahren, um mich zu sehen.

Ich besuche ihn immer in den Ferien. Es war wirklich schön, nach einer langen Reise in seinen Armen zu sein. Wir sind in Deutschland, aber immer noch getrennt.

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Schließlich beschlossen wir, zu heiraten und ich zog an in seine Stadt. Das lange Warten ist vorbei. Wir fanden eine Wohnung in der Nähe von Stuttgart und lebten zusammen.

Nach 8 Monaten des Wartens auf die Dokumente konnten wir heiraten. Es war wirklich schwierig für uns zu heiraten und wir mussten so viel Geld für die Hochzeitsdokumente ausgeben. Am Ende hatten wir Glück. Nur 2 Tage vor dem Hochzeitstag kam die Zulassung von der Universität Tübingen. Ich freute mich so sehr das ich meinen Traum verwirklichen kann: Als Frau von Adrian und eine offizielle Studentin zu werden.

Im August 2014 heirateten wir in Deutschland mit nur 26 Gästen. Obwohl meine Eltern nicht kommen konnten, war meine Tante aus Köln bei der Hochzeit anwesend. Wir hatten eine wundervolle Hochzeit. Leider konnten wir unsere Flitterwochen nicht direkt danach verbringen, da ich bald studieren musste. Allerdings sparten wir es uns für die Hochzeit in Vietnam im nächsten Jahr auf.

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Im September 2015, also ein Jahr später, besuchten wir Vietnam im für die traditionelle Hochzeit. Seine Familie und einige Freunde flogen auch nach Vietnam und reisten mit uns. Meine Eltern kümmerte sich um alles und wir haben, 3 Tagen nach unserer Ankunft, geheiratet. Die Deutschen konnten nicht vorstellen, wie eine Hochzeit in Vietnam so groß sein kann. In Vietnam haben wir eine große Familie mit vielen Generationen. Zu der Hochzeit kommen auch Freunde, Kollegen, Bekannte von meinen Eltern. Viele Leute reisten von sehr weit entfernten Orten an, um unsere Hochzeit zu besuchen. Wir heirateten in einem Hotel in Hanoi mit circa 450 Gästen und nochmal in meiner Heimatstadt mit etwa 350 Gästen. Ich war so glücklich, meiner deutschen Familie mein Land, Vietnam zu zeigen. Damit Sie dann auch mehr mich und meine Kultur verstehen.

Meine Schwiegereltern und ihre Freunde liebten Vietnam so sehr. Im Moment planen wir die nächste Reise nach Vietnam im September 2017. Ich glaube, dass es eine erstaunliche Reise für uns sein wird.

 

Ngân Chu schreibt auf ihrem Blog auf in deutscher und vietnamesischer Sprache über ihre Erfahrungen als Studentin in Deutschland und gibt außerdem hilfreiche Tipps rund um diese Themenbereiche.

AUTOR

Etienne Mahler

Etienne Mahler ist seit Anfang 2015 Mitglied des Vereins und lebt seit Ende 2014 in Vietnam. Er arbeitet als freischaffender Webdesigner, Editor und Berater in den Bereichen Privatsphäre und Datenschutz. Darüber hinaus betreibt er den Vietnam-Blog VietmoK - Vietnam, mit offenen Karten und seinen privaten Blog.

Alle Beiträge von: Etienne Mahler

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